In Begleitung

Performance und Installation, 2012

 

Ausgangspunkt für das Projekt In Begleitung war für mich die Frage, wie ich John Cage Komposition 4’33“ nutzen könnte, um in einer vertrauten, öffentlichen Umgebung einen Moment der Unterbrechung, der Irritation, des Zweifels zu initiieren, der zu einem Moment der Entdeckung, zur Begegnung zwischen Fremden wird. Die Umgebung des Dortmunder U ist geprägt durch sehr unterschiedliche städtische Areale. Ihr Charakter reicht vom Industriegelände, über das Bahnhofsareal, um Kirchen und Klöster herum entstandene Wohngebiete bis hin zur Dortmunder Innenstadt mit ihren belebten Einkaufsstraßen.

Wenn man das Gebäude betritt, lässt man diese urbane Umgebung hinter sich. Sie lebt für die Dauer des Ausstellungsbesuchs in der Erinnerung fort. Verlässt man das Gebäude wieder, ist sie es, die nur mehr im Geiste fortbesteht. Das Prinzip der Bewegung In Begleitung dient dazu, diese Schwelle zu überschreiten. Der reale Raum der Ausstellung, der reale Raum der Stadt und ihre imaginären Pendants verschachteln sich in der Praxis des Gehens und treten in einen kritischen Dialog.

Eine Aufführung von 4’33“ bietet den Rahmen für die Begegnung von Ausführenden und Rezipienten,deren gegenseitige Abhängigkeit sie in den Mittelpunkt rückt, und für die Begegnung des Zuhörers mit sich selbst sowie den Konstituenten der Situation, in der er die Aufführung des Stücks erlebt.

Ich habe zwölf Dortmunderinnen und Dortmunder eingeladen, mit mir eine Version von 4’33“ im öffentlichen Raum zu erarbeiten. Kompass für die Findung der Aufführungsorte sind ihre Erfahrungen und Erinnerungen, ihre Auseinandersetzungen, ihr Alltag in dieser Umgebung, die mir fremd ist. Als Begleiterinnen und Begleiter laden sie dazu ein, ihnen zu folgen und einer Version von 4’33“ an einem von ihnen gewählten Ort beizuwohnen.

Die Performance fand während der Ausstellungsdauer immer Sonntags Nachmittags statt. An den Tagen, an denen die Performance nicht statt fand, präsentiere ich kurze Interviewsequenzen mit den Performern, die man über einen Stadtplan-Steckfeld aktivieren konnte.


In Begleitung
wurde realisiert für die Ausstellung Sounds like Silence (24.August 2012 – 06. Januar 2013) im Hardware Medienkunstverein Dortmund.

Zum Katalog der Ausstellung.

Rezension der Ausstellung in Texte zur Kunst.