Phonorama

Eine akustische Spurensuche im Clara Zetkin Park in Leipzig
von Jens Heitjohann und Michael Markert

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Von April bis Oktober 1897 fand auf dem Gelände des heutigen Clara Zetkin Parks in Leipzig die Sächsisch-Thüringische Industrie und Gewerbeausstellung statt. Es handelte sich dabei um eine Großausstellung im Geiste der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Weltausstellungen, die wirtschaftliche Präsentation mit kultureller Manifestation und nationaler Propaganda verband.
Entworfen zur Rettung der Leipziger Messe präsentierte sie in einem gewaltigen Pavillon auf der Schleußiger Seite der Weißen Elster Erzeugnisse der einheimischen und regionalen Wirtschaft und paarte diese Schau kapitalistischer Schaffenskraft mit einem in verschiedene Richtungen sich ausdifferenzierenden Vergnügungspark. Einerseits waren alle Medien und Attraktionsformen des späten 19. Jahrhunderts vertreten, wie u.a. der Film, das Panorama, Dioramen, das Theater, das Hörtheater, ein Röntgenkabinett, eine Kunstausstellung, ein Nachbau des mittelalterlichen Leipzigs und der Wartburg, Wiener Kaffeehäuser, andererseits stellten imperialistische Akteure ihren Eroberungshunger mit einer Kolonialausstellung dar, die in Form der Zurschaustellung ostafrikanischer Menschen unter dem Deckmantel anthropologisch-ethnologischen Interesses ebenso die Sensationsgier der Exotismus-verliebten Besucher bediente.
Die Ausstellung und ihre Anlagen sind heute aus dem Park ebenso wie dem Bewußtsein der Menschen verschwunden. Mit dem Projekt Phonorama unternehmen wir eine akustische  Rekonstruktionsarbeit der Ausstellung und ihrer Anlagen und verfolgen eine Archäologie ihrer Motive und Sujets, die unseren heutigen Spektakeln der Wirtschaft, der Medien und des Politischen als Ausgangspunkte dienen.

Phonorama ist ein Klangkunstprojekt in Form einer App für Smartphones, die es den Besuchern ermöglicht, die Ausstellung in ihrer historischen Dimension zu entdecken und ihren Spuren in die Gegenwart zu folgen.