SehSucht

Performance/Lecture/Walk, 2010

 

Die Völkerschauen in der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert in vielen europäischen Städten manifestierten Bilder des Anderen. Die Inszenierung der Ausgestellten unterstrich dabei mit ihrer visuellen Verfügung die phantastische Potenz der Kolonialgesellschaften. In Kombination mit der Präsentation wirtschaftlicher Leistungskraft repräsentierten (Welt-)Ausstellungen die Identitätssuche europäischer Nationen und ihrer Individuen. Phantasmen abstrakter Reiche, über die eine unendliche Verfügungsgewalt herrscht, spiegelten sich in diesen Spektakeln. Heute existieren die Ausstellungen und deren Ideen nur noch als Bestandteil eines öffentlich Unbewußten, dessen zeitgenössisches Wirken in einer Erkundung aufgespürt und permanent verfügbar gemacht werden soll.

Der Lecture Walk SehSucht führte das Publikum in den heutigen Leipziger Clara-Zetkin-Park, in welchem zu Beginn des 19.Jahrhunders eine Ostafrikanische Kolonialausstellung inklusive Völkerschau eingerichtet war.

Jens Heitjohann veranstaltete eine Führung durch die Ausstellung im heutigen Park und stellt das Konzept der Einrichtung einer Poststation im Bereich des ehemaligen Ausstellungsgeländes vor. Die Station markiert vor Ort die Möglichkeit der Adressierbarkeit einer zeitlich vergangenen Realität.